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  • Für eine gerechte Weltordnung im Zeichen der Menschenrechte

    Für eine gerechte Weltordnung im Zeichen der Menschenrechte

    Zur Eröffnung der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats fand UN-GeneralsekretärAntónio Guterres klare Worte: „Rund um die Welt erleben die Menschenrechte einen Frontalangriff. Diese Attacke kommt weder aus dem Dunkeln noch überraschend. Nein, der Kampf wird vor aller Augen geführt, und zwar von jenen, die an der Macht sind.“

    Sowohl der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, wie auch die Präsidentin der UNO-Generalversammlung Annalena Baerbock zogen bei ihren Reden das gleiche vernichtende Fazit. Gewisse Machthaber, ohne sie beim Namen zu nennen, wähnten sich über dem Gesetz, dadurch seien lange selbstverständliche Grundprinzipien infrage gestellt.

    Täglich werden die Menschenrechte, selbst die grundlegendsten, verletzt. Insbesondere geschehen Angriffe auf die Meinungs- und Ausdrucksfreiheit, neue Formen der Sklaverei und Zwangsarbeit oder grausame und unmenschliche Übergriffe.

    Was tun in Anbetracht dieser besorgniserregenden Entwicklung? Volker Türk will eine globale Allianz von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren aufstellen, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen und für die Menschenrechte einstehen.

    Was kann in dieser Situation die spezifische Rolle der Kirchen sein? Zahlreiche christliche Kirchen, aber auch andere Religionen und Gläubige weltweit setzen sich für die Menschen- und Bürgerrechte sowie für ein würdevolles Leben für alle ein. Dieses Engagement zeigt sich sowohl in öffentlichen Stellungnahmen als auch in konkreter Unterstützung (juristisch, sozial, wirtschaftlich) für vulnerable Menschen. Auch die Bildungsaspekte sind nicht zu vernachlässigen: Viele religiöse Organisationen bieten Bildungsangebote an, die darauf abzielen, die Inklusion der sozial Schwächsten zu fördern, sei es durch berufliche Ausbildung oder durch Programme zu Bürgerrechten. Dieses Engagement trägt zum Empowerment von Menschen und Gemeinschaften bei. In der Verkündigung und im Handeln von Jesus-Christ war es zentral:  Menschen in Not beizustehen, da jeder Mensch Ebenbild Gottes ist. Unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund gilt jeder Mensch als Träger einer unveräusserlichen Würde.

    Bereits 1963 setzte sich Johannes XXIII. in der Enzyklika Pacem in Terris im Namen der katholischen Kirche für die Menschenrechte und für eine multilaterale, auf dem Recht beruhende Weltordnung ein, wie sie von der UNO gefördert wird. Das Zweite Vatikanische Konzil und die nachfolgenden Päpste haben diesen Weg bestätigt, ebenso wie Leo XIV. in seiner Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps vom 9. Januar 2026:

    „In diesem Sinne [zum Schutz der Menschenwürde] haben die Vereinten Nationen Konflikte geschlichtet, die Entwicklung gefördert und Staaten beim Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten unterstützt. In einer Welt, die von komplexen Herausforderungen wie geopolitischen Spannungen, Ungleichheiten und Klimakrisen geprägt ist, sollte die Organisation eine zentrale Rolle bei der Förderung des Dialogs und der humanitären Hilfe spielen und so zum Aufbau einer gerechteren Zukunft beitragen.“

    Auch die Schweiz hat im Bereich des Schutzes von Einzelpersonen und der grundlegenden Freiheiten noch Fortschritte zu machen. So sei etwa daran erinnert, dass sie das Internationale Übereinkommen zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen (1990) nicht unterzeichnet hat, ein Übereinkommen, das genau darauf abzielt, sie vor Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen zu schützen.

    In der Schweiz engagiert sich die Schweizerische Menschenrechtsinstitution (SMRI) für den Schutz und die Förderung der Grundrechte. Die SMRI hat den Auftrag, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen zu vertreten und sich für deren Rechte einzusetzen. Sie kooperiert mit Behörden auf allen staatlichen Ebenen, der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft, insbesondere Menschenrechtsorganisationen, und der Wirtschaft. Sie informiert die Öffentlichkeit, Staat, Politik und Wirtschaft über die Menschenrechte. Sie analysiert deren Umsetzung in der Schweiz, weist auf Lücken hin, zeigt Korrektive auf, stösst den Dialog an und bringt sich in den politischen Diskurs ein. Vox Ethica unterstützt die Arbeit dieser Institution ausdrücklich.

    FL / FQ 26.2.2026

  • „Für ein Europa ohne organisierte Kriminalität“

    „Für ein Europa ohne organisierte Kriminalität“

    Justitia und Pax Europa – Jahrestreffen der Kommissionssekretäre in Turin, 13.–15. Februar 2026

    Die Schweizer Delegation der Kommission Justitia et Pax nahm am Treffen der europäischen Kommissionssekretäre in Turin teil. Ziel des Treffens war die Ausarbeitung des Aktionsplans von Justitia et Pax Europa für die nächsten vier Jahre, die Planung künftiger gemeinsamer Aktionen sowie die Vorbereitung der Generalversammlung vom 21. bis 26. September 2026 in Glasgow. Das Treffen fand im symbolträchtigen Friedensarsenal (Sermig, https://fr.sermig.org/) statt, einer ehemaligen Waffenfabrik, die in ein soziokulturelles Bildungszentrum umgewandelt wurde.

    Das Thema der konzertierten Aktion 2026 befasst sich mit organisierter Kriminalität und Möglichkeiten zur Bekämpfung dieses wachsenden Phänomens. Am Aschermittwoch, dem 18. Februar, wurde die gemeinsame Initiative „Europa und organisierte Kriminalität: Gemeinsam die Herausforderung meistern“ ins Leben gerufen. Die verschiedenen Verantwortungsebenen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die begünstigenden Kontexte wurden hervorgehoben. Der Nährboden für organisiertes Verbrechen liegt insbesondere in seinen vielfältigen Verflechtungen und seiner Verstrickung mit der legalen Wirtschaft. Der Verein Libera (https://www.libera.it/) wurde von seinem Gründer Pater Luigi Ciotti, vorgestellt. Es handelt sich um ein Netzwerk von über 1.000 italienischen Vereinen, die sich im Kampf gegen Mafiaorganisationen engagieren.

    Rosanna Tabasso stellte das Friedensarsenal und die Aktivitäten von Sermig (Jugendmissionsdienst) vor. Der Verein trägt durch den Aufbau von Solidaritätsnetzwerken und Schulungsprogrammen für junge Menschen und Menschen in prekären Lebenslagen zu einer aktiven Friedenserziehung bei. Die Aktivitäten der Organisation umfassen staatsbürgerliche Bildung, Menschenrechtsbildung, Stärkung des sozialen Zusammenhalts und Förderung sozialer Gerechtigkeit. Der Verein solidarisiert sich in Aktionen mit den Opfern des organisierten Verbrechens und engagiert sich in der sozialen Umnutzung von der Mafia beschlagnahmten Immobilien und landwirtschaftlichen Flächen.

    Erzbischof Luigi Renna stellte anschliessend „Educare a una pace disarmata e disarmante“ (Erziehung für einen entwaffneten und entwaffnenden Frieden) vor. Dieses Dokument, das 2025 von der Italienischen Bischofskonferenz verfasst wurde, ist Teil einer Reihe von Publikationen zur Vermittlung christlicher Werte und bietet Wege für eine aktive Friedenserziehung und deren Umsetzung im Alltag. Der Leiter des Laudato-si’-Programms präsentierte die Online-Kurse zum Laudato-si’-Trainer (https://laudatosianimators.org/), die am 15. April 2026 beginnen. Diese Fernlehrgänge stehen allen Interessierten offen und sind auf Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar.

    Die Teilnehmenden diskutierten die Themen: Bildung als Schlüssel zu Frieden und Gerechtigkeit sowie Möglichkeiten zur Förderung aktiven Bürgerengagements, insbesondere unter jungen Menschen. Ebenfalls auf dem Programm war ein Besuch des Museums Casa Don Bosco, organisiert von der Seelsorge für Arbeit und Gesellschaft des Bistums Turin. In der Turiner Kathedrale nahmen die Teilnehmer an einer Messe teil, die von Kardinal Roberto Repole zelebriert wurde. Danach besuchten die Teilnehmer das Grab von Pier Giorgio Frassati, der kürzlich von Papst Leo XIV heiliggesprochen wurde.

    Zum Schluss dankten der Generalsekretär von Justitia et Pax Europa, Marek Misak, und die Ko-Präsidenten, Erzbischof Antoine Hérouard und Maria Hammershoy, der italienischen Kommission für ihre Gastfreundschaft und die Organisation dieser Tagung.

    Weiterführende Informationen:

    -Apostolische Note der Italienischen Bischofskonferenz, „Educare a una pace disarmata e disarmante“, Apostolische Note der Italienischen Bischofskonferenz, 2025, (I) https://www.chiesacattolica.it/wp-content/uploads/sites/31/2025/12/05/NotaPastorale_EducarePace.pdf

    -Website von „Justice and Peace Europe http://www.juspax-eu.org/de/

    -„Justitia und Pax Schweiz“: https://www.juspax.ch/

    Text: FQ. Übersetzung: FL

  • Ethik und Religion im öffentlichen Raum – eine störende Stimme?

    Ethik und Religion im öffentlichen Raum – eine störende Stimme?

    Aus christlicher Sicht kann man bei der Abwägung seiner Entscheidungen die vorhersehbaren Folgen nicht ausser Acht lassen – nicht nur für sich selbst oder seine Angehörigen, sondern auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Gemeinschaft. An diesem Punkt werden unsere Entscheidungen zu echten ethischen Entscheidungen (und nicht nur zu einer blossen Interessenabwägung).

    Man kann sich fragen, welche Werte oder Prinzipien uns zu einer Entscheidung veranlassen. Basieren sie auf religiösen, sozialen, ethischen oder philosophischen Werten? Oder werden wir von Emotionen beeinflusst: Ist es Angst? Ist es Vertrauen? Die Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft?

    Man kann sich auch fragen, woher diese Emotionen kommen, die dieses oder jenes Thema hervorrufen (Medien, Erfahrungen, Biografie, sozialer Kontext, Bildung …) und warum wir angesichts desselben Themas so unterschiedliche Emotionen empfinden. Dies führt dazu, dass man beim Abstimmen den Stellenwert der Demokratie selbst hinterfragt: Geht es nur darum, unsere Interessen zu verteidigen, oder streben wir etwas anderes an? Welche Art von sozialen Beziehungen und Gesellschaft wünschen wir uns?

    Was bedeutet es, sich von niemandem beeinflussen zu lassen? Es ist eine Art zu denken, dass man von anderen – wer auch immer sie sind – nichts zu lernen hat. Es ist paradox, dass wir uns in einer Zeit, in der Informationen noch nie so verbreitet und leicht zugänglich waren, in Sphären einheitlicher Bedeutungen einschliessen und versuchen, alles, was sich von unserer Meinung unterscheidet, nicht mehr zu sehen. Häufig reagieren wir abwertend, wenn wir mit anderen Sichtweisen konfrontiert werden (wie die unzähligen heftigen Kommentare in den sozialen Netzwerken deutlich zeigen).

    Uns scheint häufig kein Argument der anderen nützlich. Die Kritik an den Kirchen, wenn sie Standpunkte vertreten oder sich an der politischen Debatte beteiligen, ist oft heftig: Sie würden versuchen, uns zu einer bestimmten Wahlentscheidung zu bewegen und damit die Freiheit der Gläubigen einschränken. Diese Debatte findet auch in der Schweiz statt, fast jedes Mal, wenn Kirchen oder Gläubige öffentlich einen oder mehrere Standpunkte vertreten.

    In Zeiten von Influencern, viralem Marketing, sozialen Netzwerken und künstlicher Intelligenz, in denen Einflüsse oft undurchsichtig sind und die Aufmerksamkeitsspanne kurz ist, stört die Stimme der Kirchen. Sie ist oft unangenehm zu hören, weil sie nicht auf der Befriedigung individueller Interessen basiert, keine finanziellen Ziele verfolgt und nicht darauf aus ist, Follower oder Klicks zu generieren. Sie begnügt sich selten mit Unterhaltung oder dem Status quo und schmeichelt nicht dem Ego von Konsumentinnen oder Parteianhängern.

    Wer hat nicht schon einmal nach dem Gottesdienst den Satz gehört: „Ich will mir nicht vorschreiben lassen, wie ich abstimmen soll, niemand darf über meine politischen Entscheidungen bestimmen!“ Man kann darauf antworten, dass es gerade zu dieser Freiheit gehört, über die vielfältigen Standpunkte, Argumente und möglichen Positionen informiert zu sein. Die Freiheit, sich eine Meinung zu bilden und damit seine Bürgerrechte auszuüben, beruht auf dem Zugang zu vielfältigen Informationen. Die Erklärung der Menschenrechte erinnert an diese Notwendigkeit des Informationszugangs, der in allen totalitären Regimes infrage gestellt wird. Viele Völker auf der ganzen Welt kämpfen für den Zugang zu diversifizierten Informationen, um die Möglichkeit zu haben, sich frei zu äussern.

    Die Stimme der Kirchen und Gläubigen zu zensieren würde bedeuten, der öffentlichen Debatte eine wichtige Sichtweise vorzuenthalten, die oft gegen den herrschenden Diskurs Position bezieht und daher besonders wertvoll ist. Die Stimme der Evangelien, die von den Kirchen und Christen getragen wird, erinnert gerade daran, dass wir den Schwächsten und Bedürftigsten in unserer Gesellschaft Aufmerksamkeit schenken müssen. Diese Stimmen zum Schweigen zu bringen, bedeutet in gewisser Weise auch, diejenigen, die unsere Gesellschaft bereits marginalisiert, noch unsichtbarer zu machen.

    Sich den Ideen anderer zu öffnen und ihre Realitäten zu entdecken, verändert unsere Sichtweisen. Vielleicht ist es genau das, was uns Angst macht: mit anderen Meinungen, Informationen und Kontexten konfrontiert zu werden, die unsere Gewissheiten ins Wanken bringen könnten. Schuldgefühle sind nicht weit… Wir geraten so in eine unangenehme Situation des Zweifels.

    Zweifel und Hinterfragen sind jedoch untrennbar mit dem ethischen Denken verbunden. Angesichts fanatischer Diskurse ist es das Herzstück ethischer Überlegungen, unsere tatsächlichen Absichten zu hinterfragen: das, was wir für wahr halten, die Richtigkeit unserer Prinzipien und ihre Anwendung auf Situationen sowie die tatsächlichen Folgen unserer Entscheidungen. Zweifel, Nuancen, Fragen – all das versuchen totalitäre Sprachen und Fake News glätten.

    So analysierte bereits der Linguist Viktor Klemperer in seiner Untersuchung der Sprache des Dritten Reiches: Von Anfang der 1930er Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs notierte Klemperer täglich die Veränderungen der deutschen Sprache, die durch den totalitären Diskurs auferlegt wurden. Er beobachtete das Verschwinden von Nuancen, Bedingungsformen, hypothetischen und fragenden Formen zugunsten einer vereinfachten, beschwörenden und meist gewalttätigen Sprache.

    Welche Rolle würden die Kirchen und Gläubigen spielen, wenn sie mundtot gemacht wären und sich nicht mehr für aktuelle Fragen interessierten? Wenn sie nicht mehr versuchen würden, gemeinsam mit anderen über Entscheidungen nachzudenken, die unsere Gesellschaften beeinflussen? Würden sie sich von allem abwenden, was die heutige Welt ausmacht, nicht mehr Zeugnis ablegen von dem, was sie täglich sehen und erleben, und zu keinem Zeitpunkt an die Beiträge der frohen Botschaft erinnern? Würden sie dann noch ihre Rolle spielen? Läuft die Religion dann nicht Gefahr, zu Opium zu werden, das unsere Herzen betäubt?

    FQ

    Übersetzung: FL

  • 3 neue Mitglieder in der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax

    3 neue Mitglieder in der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax

    Die Päpstliche Kommission Justitia et Pax wurde 1967 von Papst Paul VI. im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet. In seiner Ansprache an die Mitglieder und Berater von Justitia et Pax verwies Paul VI. auf die Enzyklika Populum Progressio, die alle Menschen guten Willens dazu aufforderte, sich bewusst zu machen, dass sie alle Brüder sind. Als Kinder des „lebendigen Gottes, des Vaters aller Menschen” (§ 21) sind alle Menschen dazu aufgerufen, gemeinsam zu wachsen (§ 17), die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und eine solidarische Entwicklung der Menschheit zu fördern. Dies erfordert gemeinsame Anstrengungen, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen und damit den Frieden zu bewahren. In vielen Ländern wurden daraufhin Justitia et Pax Kommissionen gegründet. Sie haben zum Ziel, den Frieden zu fördern, insbesondere durch die Unterstützung von Abrüstungspolitik, die Förderung einer Kultur des Friedens und der Achtung der Menschenrechte. Sie tragen zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und in katholischen Kreisen bei.

    Die Schweizerische Kommission Justitia et Pax wurde 1969 als Beratungsgremium der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) gegründet. Seitdem hat sie sich mit zahlreichen Themen befasst: Entwicklung, Ökologie, Migration, Justiz, Wirtschaft, Zivildienst, Asylpolitik, Abrüstung, etc.. Sie hat auch regelmässig mit den protestantischen Kirchen zusammengearbeitet.  Die der Dienststelle „Vox Ethica” angegliederte Schweizerische Kommission Justitia et Pax wurde im Dezember 2025 von der SBK wiedergewählt. Ihr Präsident, Thomas Wallimann-Sasaski (Direktor von ethik22), ist Theologe und Spezialist für christliche Sozialethik. Weitere Mitglieder der Kommission sind:

    • Tobias Karcher SJ (Lassalle-Institut)
    • Robert Unteregger (Philosoph, Professor an der PH Bern)
    • Mgr. Josef Stübi (Weihbischof des Bistums Basel, Vertreter der SBK)

    Und drei neue Mitglieder:

    • Matteo Frey (Forscher am Institut für Sozialethik der Universität Luzern)
    • Ada Marra (ehemalige Nationalrätin, Seelsorgerin im Gesundheitsbereich, in Ausbildung)
    • Jean-Noël Maillard (Direktor von Caritas Jura)

    Wissenschaftliche Sekretärin ist Florence Quinche, Leiterin von Vox Ethica. Die Schweizer Kommission ist Teil des Netzwerks der Justitia et Pax Kommissionen Europas, dem 32 weitere nationale Kommissionen angehören, die jeweils von ihren Bischofskonferenzen ernannt und beauftragt werden. In ihren jüngsten Stellungnahmen hat sich Justitia et Pax Schweiz insbesondere gegen die Ausweitung des Waffenexports durch Schweizer Unternehmen ausgesprochen.

    Die jüngsten Stellungnahmen von Justice and Peace Europe befassen sich mit folgenden Themen: Justice, Peace and Human Dignity for Greenland 20.01.26. Justice and Peace for Venezuela and its people, 6.01.26.

  • Eine erneute Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr ist aus christlich ethischer Sicht unhaltbar!

    Eine erneute Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr ist aus christlich ethischer Sicht unhaltbar!

    Thomas Wallimann-Sasaki, Dr. theol. Präsident Justitia et Pax Schweiz

    Justitia et Pax ist die sozialethische Kommission der Schweizer Bischofskonferenz und engagiert sich für Gerechtigkeit und Frieden hier und in der Welt. Auch wenn Krieg und Waffengeschäfte zu dieser Welt gehören, so kann es sich gerade dieSchweiz leisten darauf hinzuweisen, dass ein gutes und gelungenes Leben für Menschen anders aussieht als ein „Mehr an Kriegsmaterial“. Wir wissen, dass weder totalitäre Staatsverhältnisse noch religiös gefärbter Fanatismus oder Krieg ein gutes Leben für wirklich alle schaffen können. Lieferungen von Kriegsmaterial in Länder mit internen Konflikten verschärfen diesegesellschaftlichen Konflikte.

    Das Christentum und insbesondere die Katholische Kirche haben gegenüber Waffen wie auch Krieg eine bewegte Geschichte. Heute sind wir überzeugter denn je, dass im Zentrum jeder Politik die ganzheitliche Entwicklung des Menschen stehen muss. Dies gilt auch für die Politik der Ausfuhr von Kriegs- und Sicherheitstechnik-Material. Darum ist der letzte Orientierungspunkt für eine ethische Beurteilung des Exports von Kriegsmaterial nicht der wirtschaftliche Nutzen und damit auch nicht die Sicherung von Arbeitsplätzen. Vielmehr ist das Wohlergehen wirklich aller Menschen das zentrale ethische Kriterium. Von einer Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr profitieren nur wenige, viele aber leiden übermässig und mehr. Dies widerspricht unserem christlichen Verständnis von Gemeinwohl. Frieden und glückliche Entwicklungen haben mit Gerechtigkeit zu tun. Diese spielt eine wichtige

    Rolle bei der Verteilung von Ressourcen innerhalb und zwischen den Ländern. Wenn arme Länder und solche mit inneren Konflikten Geld für die militärische Rüstung brauchen, kommen in der Regel Bildung und die Versorgung mit Nahrungsmittel zu kurz. Darunter leiden die Armen in besonderem Masse. Eine Ausweitung von Kriegsmaterialausfuhr fördert diese Benachteiligungen und widerspricht der Nächstenliebe. Das Recht des Stärkeren ist keine Grundlage weder für Friede noch für Gerechtigkeit.

    Ein Wort zum Argument, dass der Schweizer Anteil am weltweiten Markt klein ist und sonst einfach„andere“ das Material liefern. Dieses Argument ist ethisch nicht stichhaltig. Denn unethisches Handeln wird nicht einfach „richtiger » oder gerechtfertigt, wenn darauf verwiesen wird, dass „andere“ das gleiche ähnlich oder noch verstärkt tun. Schon 1481 – beim Stanser Vorkommnis – haben die Eidgenossen gemerkt, dass man gemeinsam ein besseres Leben hat, wenn man sich keine Köpfe einschlägt, sondern aufeinander hört und miteinander spricht!

    Thomas Wallimann-Sasaki,

    Dr. theol. Präsident Justitia et Pax Schweiz

    Rohrmatte 6

    CH-6372 Ennetmoos

    Dienstag, 6. Januar 2026

    sozialethik@bluewin.ch

    Hier das Referendum unterschreiben:

  • Der Sonntagsurlaub – ein Anliegen, für das es sich weiterhin einzustehen lohnt

    Der Sonntagsurlaub – ein Anliegen, für das es sich weiterhin einzustehen lohnt

    Die Angriffe auf den Sonntagsruhetag gehen weiter, z.B. durch die Standesinitiative des Kantons Zurich, die bewilligungsfreie Sonntagsarbeit (Heute 4) auf 12 verdreifachen will und die parlamentarische Initiative Burkart (16.484), die derzeit im Ständerat geprüft wird.

    Diese Initiative zielt darauf ab, die Regeln für Telearbeit zu lockern und sie insbesondere auch sonntags zuzulassen, während gleichzeitig die möglichen Arbeitszeiten verlängert werden sollen. Ausserdem soll es erlaubt werden, Ruhezeiten für dringende Anfragen zu unterbrechen. Dies würde eine grosse Anzahl von Menschen betreffen und wäre nicht auf den Verkaufssektor beschränkt. Es ist Wachsamkeit geboten, um zu verhindern, dass das Streben nach wirtschaftlichem Gewinn die Gesundheit der Arbeitnehmer, die Werte der Bürger, die Achtung des Familienlebens und die Ausübung der Religion verdrängt.

    Am 22. August nahm F. Quinche von Vox Ethica (Dienststelle Ethik und Gesellschaft) an einer Pressekonferenz der Sonntagsallianz (bestehend aus: Unia, EKS, Protestantische Frauen, Travail Suisse, Schweizerische Gesellschaft für Arbeitsmedizin…) teil. Während dieser Konferenz wurde eine von der Kommission Justitia et Pax mitfinanzierte Studie der Universität Bern über die Auswirkungen der Sonntagsarbeit auf die Gesundheit vorgestellt. Angesichts der Initiative des Kantons Zürich, die Ladenöffnungszeiten und die Telearbeit auf 12 Sonntage pro Jahr (statt derzeit 4) auszuweiten, war es notwendig, an die Bedeutung des Sonntags sowohl für Christen als auch für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erinnern:

    Tag der Ruhe, der Begegnung innerhalb der Gemeinschaften, der Spiritualität oder der Verbindung mit der Natur. Der Sonntag ist auch eine besondere Gelegenheit, um die Familienbande zu stärken, seine Bürgerrechte auszuüben oder das Vereinsleben zu fördern, soziale Bindungen aufzubauen und Zeit mit anderen zu verbringen.

    Die Bischofskonferenz und die Kommission Justitia et Pax haben im Oktober ebenfalls auf die Vernehmlassung (23.325) reagiert und Stellungnahmen abgegeben, um das Recht auf Sonntagsruhe für alle zu verteidigen.

    F.Q.

    Initiative Burkart: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20160484

  • Teilnahme von Vox Ethica an der Jugendsession 2025

    Teilnahme von Vox Ethica an der Jugendsession 2025


    Vox Ethica wurde von der Jugendsession 2025, die Anfang November in Bern stattfand, eingeladen, um ihr Fachwissen zum Thema assistierter Suizid zu teilen. Zusammen mit Vertretern der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), von palliative.ch und Dignitas beantwortete Vox Ethica die Fragen der TeilnehmerInnen. Das Interesse der 14- bis 21-jährigen Teilnehmenden zeigt, dass der assistierte Suizid auch für die jüngere Generation ein wichtiges Thema ist.

    In seinem Beitrag sprach Florian Lüthi von Vox Ethica, insbesondere die gesellschaftlichen Zusammenhänge in Bezug auf die Praxis des assistierten Suizids in der Schweiz an. Die Hervorhebung ausschliesslich individualistischer Argumente führt dazu, dass die kollektiven Herausforderungen dieses Phänomens und unsere Verantwortung gegenüber schwachen und sterbenden Menschen in den Hintergrund geraten. Denn wir sind nicht nur Individuen, sondern Menschen, für die soziale Bindungen von grundlegender Bedeutung sind. Aus diesem Grund sind Massnahmen zum Aufbau oder zur Intensivierung sozialer Bindungen von entscheidender Bedeutung. Diese Aspekte sind umso wichtiger, als soziale Phänomene (z. B. Individualisierung, Einsamkeit im Alter, steigende Gesundheitskosten usw.) unsere Lebensbejahung beeinflussen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, sich für die gesellschaftliche Integration und Inklusion aller Menschen einzusetzen, speziell der Bedürftigsten und Ärmsten.

    Im Anschluss an die Konsultation hat die mit diesem Thema befasste Jugendgruppe einen Vorschlag ausgearbeitet. Dieser fordert eine Informations- und Sensibilisierungskampagne zu den rechtlichen Grundlagen, den ethischen Fragen und den emotionalen Auswirkungen des assistierten Suizids. Dieser Vorschlag wurde von der eidgenössischen Jugendsession am 9. November 2025 im Bundeshaus mit 138 zu 12 Stimmen angenommen. Das Parlament muss nun in den kommenden Monaten über die Petition beraten. Vox Ethica begrüsst das Engagement und das Interesse der Jugendlichen an diesem Thema.

    FL

  • Stellungnahme von Vox Ethica zur Einreichung des Referendums “Zivildienst Retten”

    Stellungnahme von Vox Ethica zur Einreichung des Referendums “Zivildienst Retten”

    Am 15.01.2026 wurde der Bundesverwaltung das Referendum «Zivildienst retten» übergeben. Die Verschärfung des Zivildienstgesetzes würde eine Verschärfung der Zulassungsbedingungen für den Zivildienst zur Folge haben. Nun werden sich die Schweizer Stimmberechtigten zu den geplanten Änderungen an der Urne äussern können. Vox Ethica verspricht sich durch die Abhaltung einer Volksabstimmung eine breite gesellschaftliche Debatte über den Stellenwert des Zivildienstes in der Schweiz.

    Der Zivildienst eröffnet eine Alternative zum Militärdienst für Menschen, die diesbezüglich einen Gewissenskonflikt haben. Aus christlicher Sicht haben Gewissensentscheide einen hervorgehobenen Stellenwert. So definiert das Zweite Vatikanische Konzil das Gewissen als „das innerste und geheimste Zentrum des Menschen, das Heiligtum, in dem er allein mit Gott ist und wo dessen Stimme zu hören ist“ (Gaudium et Spes, Nr. 16). In der Geschichte des Christentums gibt es immer wieder Menschen, die ihrem Gewissen gefolgt sind und daraus entsprechende Konsequenzen gezogen haben. „Ich stehe hier und kann nicht anders“, sprach Martin Luther vor dem Reichstag in Worms. Auch bei der Entwicklung der Täuferbewegung spielte das Gewissen eine zentrale Rolle. Daraus resultierte eine frühe Form der Militärdienstverweigerung.

    Die bevorstehende Volksabstimmung über den Zivildienst lädt dazu ein, mit Geduld und Konsequenz zu bekräftigen, dass die Achtung des Gewissens, die Förderung eines positiven Friedens und das Streben nach dem Gemeinwohl zentrale Anforderungen der christlichen Ethik sind. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung bleibt festzuhalten, dass der Zivildienst weder ein Privileg noch ein Ausweg ist, sondern ein legitimer und wertvoller Ausdruck dieser ethischen Anforderungen. Seine Verteidigung steht in einer christlichen Tradition, die die Komplexität politischer Ordnungen, die Zerbrechlichkeit menschlicher Entscheidungen und zugleich die universelle Berufung anerkennt, Friedensstifter zu sein. In diesem Sinne erweist sich der Zivildienst nicht als Schwächung, sondern als ethische Ressource einer demokratischen Gesellschaft, die ihre moralischen Grundlagen ernst nimmt.

    FL