Étiquette : Justitia et pax

  • „Für ein Europa ohne organisierte Kriminalität“

    „Für ein Europa ohne organisierte Kriminalität“

    Justitia und Pax Europa – Jahrestreffen der Kommissionssekretäre in Turin, 13.–15. Februar 2026

    Die Schweizer Delegation der Kommission Justitia et Pax nahm am Treffen der europäischen Kommissionssekretäre in Turin teil. Ziel des Treffens war die Ausarbeitung des Aktionsplans von Justitia et Pax Europa für die nächsten vier Jahre, die Planung künftiger gemeinsamer Aktionen sowie die Vorbereitung der Generalversammlung vom 21. bis 26. September 2026 in Glasgow. Das Treffen fand im symbolträchtigen Friedensarsenal (Sermig, https://fr.sermig.org/) statt, einer ehemaligen Waffenfabrik, die in ein soziokulturelles Bildungszentrum umgewandelt wurde.

    Das Thema der konzertierten Aktion 2026 befasst sich mit organisierter Kriminalität und Möglichkeiten zur Bekämpfung dieses wachsenden Phänomens. Am Aschermittwoch, dem 18. Februar, wurde die gemeinsame Initiative „Europa und organisierte Kriminalität: Gemeinsam die Herausforderung meistern“ ins Leben gerufen. Die verschiedenen Verantwortungsebenen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und die begünstigenden Kontexte wurden hervorgehoben. Der Nährboden für organisiertes Verbrechen liegt insbesondere in seinen vielfältigen Verflechtungen und seiner Verstrickung mit der legalen Wirtschaft. Der Verein Libera (https://www.libera.it/) wurde von seinem Gründer Pater Luigi Ciotti, vorgestellt. Es handelt sich um ein Netzwerk von über 1.000 italienischen Vereinen, die sich im Kampf gegen Mafiaorganisationen engagieren.

    Rosanna Tabasso stellte das Friedensarsenal und die Aktivitäten von Sermig (Jugendmissionsdienst) vor. Der Verein trägt durch den Aufbau von Solidaritätsnetzwerken und Schulungsprogrammen für junge Menschen und Menschen in prekären Lebenslagen zu einer aktiven Friedenserziehung bei. Die Aktivitäten der Organisation umfassen staatsbürgerliche Bildung, Menschenrechtsbildung, Stärkung des sozialen Zusammenhalts und Förderung sozialer Gerechtigkeit. Der Verein solidarisiert sich in Aktionen mit den Opfern des organisierten Verbrechens und engagiert sich in der sozialen Umnutzung von der Mafia beschlagnahmten Immobilien und landwirtschaftlichen Flächen.

    Erzbischof Luigi Renna stellte anschliessend „Educare a una pace disarmata e disarmante“ (Erziehung für einen entwaffneten und entwaffnenden Frieden) vor. Dieses Dokument, das 2025 von der Italienischen Bischofskonferenz verfasst wurde, ist Teil einer Reihe von Publikationen zur Vermittlung christlicher Werte und bietet Wege für eine aktive Friedenserziehung und deren Umsetzung im Alltag. Der Leiter des Laudato-si’-Programms präsentierte die Online-Kurse zum Laudato-si’-Trainer (https://laudatosianimators.org/), die am 15. April 2026 beginnen. Diese Fernlehrgänge stehen allen Interessierten offen und sind auf Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar.

    Die Teilnehmenden diskutierten die Themen: Bildung als Schlüssel zu Frieden und Gerechtigkeit sowie Möglichkeiten zur Förderung aktiven Bürgerengagements, insbesondere unter jungen Menschen. Ebenfalls auf dem Programm war ein Besuch des Museums Casa Don Bosco, organisiert von der Seelsorge für Arbeit und Gesellschaft des Bistums Turin. In der Turiner Kathedrale nahmen die Teilnehmer an einer Messe teil, die von Kardinal Roberto Repole zelebriert wurde. Danach besuchten die Teilnehmer das Grab von Pier Giorgio Frassati, der kürzlich von Papst Leo XIV heiliggesprochen wurde.

    Zum Schluss dankten der Generalsekretär von Justitia et Pax Europa, Marek Misak, und die Ko-Präsidenten, Erzbischof Antoine Hérouard und Maria Hammershoy, der italienischen Kommission für ihre Gastfreundschaft und die Organisation dieser Tagung.

    Weiterführende Informationen:

    -Apostolische Note der Italienischen Bischofskonferenz, „Educare a una pace disarmata e disarmante“, Apostolische Note der Italienischen Bischofskonferenz, 2025, (I) https://www.chiesacattolica.it/wp-content/uploads/sites/31/2025/12/05/NotaPastorale_EducarePace.pdf

    -Website von „Justice and Peace Europe http://www.juspax-eu.org/de/

    -„Justitia und Pax Schweiz“: https://www.juspax.ch/

    Text: FQ. Übersetzung: FL

  • 3 neue Mitglieder in der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax

    3 neue Mitglieder in der Schweizerischen Nationalkommission Justitia et Pax

    Die Päpstliche Kommission Justitia et Pax wurde 1967 von Papst Paul VI. im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet. In seiner Ansprache an die Mitglieder und Berater von Justitia et Pax verwies Paul VI. auf die Enzyklika Populum Progressio, die alle Menschen guten Willens dazu aufforderte, sich bewusst zu machen, dass sie alle Brüder sind. Als Kinder des „lebendigen Gottes, des Vaters aller Menschen” (§ 21) sind alle Menschen dazu aufgerufen, gemeinsam zu wachsen (§ 17), die ganzheitliche Entwicklung des Menschen und eine solidarische Entwicklung der Menschheit zu fördern. Dies erfordert gemeinsame Anstrengungen, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen und damit den Frieden zu bewahren. In vielen Ländern wurden daraufhin Justitia et Pax Kommissionen gegründet. Sie haben zum Ziel, den Frieden zu fördern, insbesondere durch die Unterstützung von Abrüstungspolitik, die Förderung einer Kultur des Friedens und der Achtung der Menschenrechte. Sie tragen zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und in katholischen Kreisen bei.

    Die Schweizerische Kommission Justitia et Pax wurde 1969 als Beratungsgremium der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) gegründet. Seitdem hat sie sich mit zahlreichen Themen befasst: Entwicklung, Ökologie, Migration, Justiz, Wirtschaft, Zivildienst, Asylpolitik, Abrüstung, etc.. Sie hat auch regelmässig mit den protestantischen Kirchen zusammengearbeitet.  Die der Dienststelle „Vox Ethica” angegliederte Schweizerische Kommission Justitia et Pax wurde im Dezember 2025 von der SBK wiedergewählt. Ihr Präsident, Thomas Wallimann-Sasaski (Direktor von ethik22), ist Theologe und Spezialist für christliche Sozialethik. Weitere Mitglieder der Kommission sind:

    • Tobias Karcher SJ (Lassalle-Institut)
    • Robert Unteregger (Philosoph, Professor an der PH Bern)
    • Mgr. Josef Stübi (Weihbischof des Bistums Basel, Vertreter der SBK)

    Und drei neue Mitglieder:

    • Matteo Frey (Forscher am Institut für Sozialethik der Universität Luzern)
    • Ada Marra (ehemalige Nationalrätin, Seelsorgerin im Gesundheitsbereich, in Ausbildung)
    • Jean-Noël Maillard (Direktor von Caritas Jura)

    Wissenschaftliche Sekretärin ist Florence Quinche, Leiterin von Vox Ethica. Die Schweizer Kommission ist Teil des Netzwerks der Justitia et Pax Kommissionen Europas, dem 32 weitere nationale Kommissionen angehören, die jeweils von ihren Bischofskonferenzen ernannt und beauftragt werden. In ihren jüngsten Stellungnahmen hat sich Justitia et Pax Schweiz insbesondere gegen die Ausweitung des Waffenexports durch Schweizer Unternehmen ausgesprochen.

    Die jüngsten Stellungnahmen von Justice and Peace Europe befassen sich mit folgenden Themen: Justice, Peace and Human Dignity for Greenland 20.01.26. Justice and Peace for Venezuela and its people, 6.01.26.

  • Eine erneute Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr ist aus christlich ethischer Sicht unhaltbar!

    Eine erneute Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr ist aus christlich ethischer Sicht unhaltbar!

    Thomas Wallimann-Sasaki, Dr. theol. Präsident Justitia et Pax Schweiz

    Justitia et Pax ist die sozialethische Kommission der Schweizer Bischofskonferenz und engagiert sich für Gerechtigkeit und Frieden hier und in der Welt. Auch wenn Krieg und Waffengeschäfte zu dieser Welt gehören, so kann es sich gerade dieSchweiz leisten darauf hinzuweisen, dass ein gutes und gelungenes Leben für Menschen anders aussieht als ein „Mehr an Kriegsmaterial“. Wir wissen, dass weder totalitäre Staatsverhältnisse noch religiös gefärbter Fanatismus oder Krieg ein gutes Leben für wirklich alle schaffen können. Lieferungen von Kriegsmaterial in Länder mit internen Konflikten verschärfen diesegesellschaftlichen Konflikte.

    Das Christentum und insbesondere die Katholische Kirche haben gegenüber Waffen wie auch Krieg eine bewegte Geschichte. Heute sind wir überzeugter denn je, dass im Zentrum jeder Politik die ganzheitliche Entwicklung des Menschen stehen muss. Dies gilt auch für die Politik der Ausfuhr von Kriegs- und Sicherheitstechnik-Material. Darum ist der letzte Orientierungspunkt für eine ethische Beurteilung des Exports von Kriegsmaterial nicht der wirtschaftliche Nutzen und damit auch nicht die Sicherung von Arbeitsplätzen. Vielmehr ist das Wohlergehen wirklich aller Menschen das zentrale ethische Kriterium. Von einer Ausweitung der Kriegsmaterialausfuhr profitieren nur wenige, viele aber leiden übermässig und mehr. Dies widerspricht unserem christlichen Verständnis von Gemeinwohl. Frieden und glückliche Entwicklungen haben mit Gerechtigkeit zu tun. Diese spielt eine wichtige

    Rolle bei der Verteilung von Ressourcen innerhalb und zwischen den Ländern. Wenn arme Länder und solche mit inneren Konflikten Geld für die militärische Rüstung brauchen, kommen in der Regel Bildung und die Versorgung mit Nahrungsmittel zu kurz. Darunter leiden die Armen in besonderem Masse. Eine Ausweitung von Kriegsmaterialausfuhr fördert diese Benachteiligungen und widerspricht der Nächstenliebe. Das Recht des Stärkeren ist keine Grundlage weder für Friede noch für Gerechtigkeit.

    Ein Wort zum Argument, dass der Schweizer Anteil am weltweiten Markt klein ist und sonst einfach„andere“ das Material liefern. Dieses Argument ist ethisch nicht stichhaltig. Denn unethisches Handeln wird nicht einfach „richtiger » oder gerechtfertigt, wenn darauf verwiesen wird, dass „andere“ das gleiche ähnlich oder noch verstärkt tun. Schon 1481 – beim Stanser Vorkommnis – haben die Eidgenossen gemerkt, dass man gemeinsam ein besseres Leben hat, wenn man sich keine Köpfe einschlägt, sondern aufeinander hört und miteinander spricht!

    Thomas Wallimann-Sasaki,

    Dr. theol. Präsident Justitia et Pax Schweiz

    Rohrmatte 6

    CH-6372 Ennetmoos

    Dienstag, 6. Januar 2026

    sozialethik@bluewin.ch

    Hier das Referendum unterschreiben:

  • Der Sonntagsurlaub – ein Anliegen, für das es sich weiterhin einzustehen lohnt

    Der Sonntagsurlaub – ein Anliegen, für das es sich weiterhin einzustehen lohnt

    Die Angriffe auf den Sonntagsruhetag gehen weiter, z.B. durch die Standesinitiative des Kantons Zurich, die bewilligungsfreie Sonntagsarbeit (Heute 4) auf 12 verdreifachen will und die parlamentarische Initiative Burkart (16.484), die derzeit im Ständerat geprüft wird.

    Diese Initiative zielt darauf ab, die Regeln für Telearbeit zu lockern und sie insbesondere auch sonntags zuzulassen, während gleichzeitig die möglichen Arbeitszeiten verlängert werden sollen. Ausserdem soll es erlaubt werden, Ruhezeiten für dringende Anfragen zu unterbrechen. Dies würde eine grosse Anzahl von Menschen betreffen und wäre nicht auf den Verkaufssektor beschränkt. Es ist Wachsamkeit geboten, um zu verhindern, dass das Streben nach wirtschaftlichem Gewinn die Gesundheit der Arbeitnehmer, die Werte der Bürger, die Achtung des Familienlebens und die Ausübung der Religion verdrängt.

    Am 22. August nahm F. Quinche von Vox Ethica (Dienststelle Ethik und Gesellschaft) an einer Pressekonferenz der Sonntagsallianz (bestehend aus: Unia, EKS, Protestantische Frauen, Travail Suisse, Schweizerische Gesellschaft für Arbeitsmedizin…) teil. Während dieser Konferenz wurde eine von der Kommission Justitia et Pax mitfinanzierte Studie der Universität Bern über die Auswirkungen der Sonntagsarbeit auf die Gesundheit vorgestellt. Angesichts der Initiative des Kantons Zürich, die Ladenöffnungszeiten und die Telearbeit auf 12 Sonntage pro Jahr (statt derzeit 4) auszuweiten, war es notwendig, an die Bedeutung des Sonntags sowohl für Christen als auch für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erinnern:

    Tag der Ruhe, der Begegnung innerhalb der Gemeinschaften, der Spiritualität oder der Verbindung mit der Natur. Der Sonntag ist auch eine besondere Gelegenheit, um die Familienbande zu stärken, seine Bürgerrechte auszuüben oder das Vereinsleben zu fördern, soziale Bindungen aufzubauen und Zeit mit anderen zu verbringen.

    Die Bischofskonferenz und die Kommission Justitia et Pax haben im Oktober ebenfalls auf die Vernehmlassung (23.325) reagiert und Stellungnahmen abgegeben, um das Recht auf Sonntagsruhe für alle zu verteidigen.

    F.Q.

    Initiative Burkart: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20160484