Auteur/autrice : Vox Ethica

  • Zivildienst – Ein Dienst am Land

    Zivildienst – Ein Dienst am Land

    Was bedeutet es eigentlich, dem eigenen Land zu dienen? Geht es dabei um Pflichtbewusstsein, Patriotismus oder das Engagement für das Gemeinwohl?

    In dieser Episode von Radio-einFluss (dem Podcast von «ethik22») steht genau dieses vielschichtige Thema im Fokus. Zu Gast bei Thomas Wallimann-Sasaki ist Florian Lüthi von Vox ethica. Im Vorfeld der anstehenden eidgenössischen Abstimmung über die Reform des Zivildienstgesetzes geht es darum, wie der Zivildienst das Gemeinwohl stärkt und welchen Beitrag er zum positiven Frieden leistet.

    https://www.podbean.com/ew/pb-nz3ky-1ad2be0

  • Stellungnahme zur Initiative ‘Keine 10-Millionen-Schweiz!’

    Stellungnahme zur Initiative ‘Keine 10-Millionen-Schweiz!’

    Argumentarium von Vox Ethica

    „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen […]. Amen, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“(Mt 25,35.40, EU 2016)

    Am 14. Juni 2026 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Volksinitiative ‘Keine 10-Millionen-Schweiz!’ ab. Die Initiative will eine verbindliche Bevölkerungsobergrenze in der Bundesverfassung verankern. Vox Ethica bringt sich gestützt auf die biblische Tradition und die Katholische Soziallehre in die Debatte ein. Beide Quellen betonen übereinstimmend die Bedeutung der Aufnahme von Fremden.

    Diese Initiative bietet keine angemessenen und realistischen Lösungen für sehr unterschiedliche Probleme. Diese Themen erfordern präzise und massgeschneiderte Antworten. Die zahlreichen Herausforderungen und Veränderungen der heutigen Gesellschaft können nicht allein durch die Brille der Migration betrachtet werden. Diese Art von Diskurs fördert die Gleichsetzung von ‘Ausländerinnen und Ausländern’ mit ‘Problemen’. Solche Vereinfachungen sind gefährlich, da sie ein verzerrtes Bild der Realität vermitteln.

    Die Bedenken bezüglich Infrastruktur, Wohnraum und Raumplanung sind berechtigt und verdienen ernsthafte Antworten. Das Schweizer Staatsgebiet ist tatsächlich nicht unbegrenzt nutzbar. Damit verbunden sind eine Vielzahl von Herausforderungen: Wohnraumverteilung, Mobilitäts- und Produktionsweisen, Städtebau, Konsum, wirtschaftliche Gerechtigkeit. Die Antwort auf diese komplexen Fragen auf eine Einwanderungsobergrenze zu reduzieren, ist sowohl ein Analysefehler als auch eine Verlagerung der Verantwortung.

    Ökologische Vision im Katholizismus

    Die integrale Ökologie im Sinne von Laudato si’ berücksichtigt menschliche, ökologische und wirtschaftliche Aspekte. Die ökologische Krise, in der wir uns befinden, ist nicht durch die Einwanderung verursacht, sondern der massiven Ausbeutung der natürlichen Ressourcen geschuldet. Die Achtung der Schöpfung ist keine nebensächliche Frage und muss ernst genommen werden. Der Mensch ist nicht Eigentümer der Schöpfung, sondern ihr Hüter. Die Enzyklika Laudato si’ lädt uns ein, unser Konsumverhalten und unser Verhältnis zur Natur zu überdenken. Dabei gilt es, die Menschen zu achten, besonders die Verletzlichsten.

    „Alles ist miteinander verbunden. Darum ist eine Sorge für die Umwelt gefordert, die mit einer echten Liebe zu den Menschen und einem ständigen Engagementangesichts der Probleme der Gesellschaft verbunden ist.“ Laudato si’, 91

    „Die Schuld dem Bevölkerungszuwachs und nicht dem extremen und selektiven Konsumverhalten einiger anzulasten, ist eine Art, sich den Problemen nicht zu stellen.“ Laudato si’, 50

    Die Aufnahme des Fremden als biblisches Motiv

    Von der Berufung Abrahams (Gen 12,1) bis zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten (Mt 2,13–15), über die Sklaverei und den Exodus hinweg: die Heilsgeschichte ist eine Geschichte der Migration. Dieses Gedächtnis ist nicht beliebig. Es begründet ein ethisches Gebot, das im Ersten Testament seinen Niederschlag gefunden hat: „Wenn ein Fremder bei euch in eurem Land als Fremder lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. […]“ (Lev 19,33–34). Wir sind aufgerufen, Gott nachzuahmen und dies durch unsere Taten zu zeigen (Imitatio Dei): „Er [Gott] liebt die Fremden“ (Dtn 10,18). Das Volk Gottes ist ein Volk, das sich erinnert, fremd gewesen zu sein, und das aus dieser Erinnerung seine Ethik der Gastfreundschaft und Aufnahme schöpft.

    Das Neue Testament spitzt diese Perspektive zu, indem Christus selbst sich mit dem Fremden identifiziert und solidarisiert: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35).

    Solidarität : ein zentraler christlicher Wert

    Solidarität ist ein Grundpfeiler der katholischen Soziallehre. Diese gilt nicht nur gegenüber Nahestehenden oder Familienangehörigen, sondern gegenüber jeder Person. Das Christentum postuliert eine universale Ethik, in der jede Person mein Nächster bzw. meine Nächste ist, unabhängig von Staatsangehörigkeit, Status, Kultur oder Herkunft. Solidarität gilt nicht nur meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, sondern jedem Menschen, besonders den Verletzlichsten, Schwächsten und Ärmsten. Das Recht auf Asyl zu verweigern oder zu schwächen bedeutet, nicht nur das Engagement der Schweiz für die Menschenrechte infrage zu stellen, sondern auch das christliche Ethos zu verletzen. Für Christinnen und Christen verbindet eine universale Geschwisterlichkeit alle Menschen. Lösungsansätze, die unsere Verantwortung gegenüber anderen verringern, können sich nicht auf christliches Denken berufen.

    Die Infragestellung des Familiennachzugs und die Gefährdung des Niederlassungsstatus schwächen Familien und verhindern ihre Integration. Die Schweiz profitiert seit Jahrhunderten vom Beitrag ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dieses Land und seine multikulturelle Identität mitaufgebaut haben. Personen ausländischer Herkunft leisten auf wirtschaftlicher, sozialer und menschlicher Ebene viel für die Schweiz. Und nicht zu vergessen: eine Vielzahl der Katholikinnen und Katholiken dieses Landes hat einen Migrationshintergrund.

    Sozialer Rückschritt statt Lösung

    Die Arbeitsbedingungen ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verschlechtern (zum Beispiel durch die Kündigung des Freizügigkeitsabkommens), ist keine Unterstützung für die Arbeitnehmerschaft dieses Landes. Im Gegenteil: Es ist eine Aushöhlung des Arbeitsrechts, das sich auf alle Arbeitnehmenden auswirkt. Die aktuellen Herausforderungen der Schweiz (Wohnungsmangel, steigende Krankenkassenprämien) müssen durch einen verstärkten Schutz der Verletzlichsten und eine bessere soziale Gerechtigkeit bekämpft werden. Der Schutz der sozialen und wirtschaftlichen Rechte aller (Recht auf erschwinglichen Wohnraum, auf Bildung, auf einen angemessenen Lohn usw.) ist heute dringender denn je. Die Stigmatisierung der verletzlichsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, davon ein Grossteil Ausländerinnen und Ausländer, bietet keine ethisch vertretbare Lösung. Die prekärsten Arbeitsverhältnisse (Saisonarbeit, Schwarzarbeit) könnten sich weiter verschlechtern. Die Annahme der Initiative könnte die Ausbeutung von Migrantinnen und Migranten weiter begünstigen, ihre vollständige Integration verhindern und die Ungleichheiten in der Arbeitswelt vertiefen.

    Wie empfangen wir, wer zu uns kommt?

    Die Initiative, die Menschen als Ströme und Zahlen begreift, reduziert menschliche Existenzen auf blosse Zahlen in einer Gleichung. Die Anzahl von Menschen auf einem Staatsgebiet als zu bewältigende Bedrohung zu begreifen, instrumentalisiert Menschen, anstatt ihnen ein Gesicht und eine Menschlichkeit zuzuerkennen. Die darausfliessenden Massnahmen implizieren zwingend, dass Menschen zurückgewiesen oder ausgeschlossen werden, nicht aufgrund einer Prüfung ihrer persönlichen Situation, sondern allein aufgrund einer Berechnung. Menschen und ihre Familien auf Zahlen zu reduzieren, ist eine offensichtliche Verletzung ihrer Menschlichkeit.

    „Wie eine Mutter, begleitet die Kirche alle, die unterwegs sind. Wo die Welt Bedrohungen sieht, sieht sie Kinder; wo Mauern errichtet werden, baut sie Brücken. Sie weiss, dass ihre Verkündigung nur dann glaubwürdig ist, wenn sie sich in Gesten der Nähe und der Aufnahme ausdrückt; und dass in jedem zurückgewiesenen Migranten Christus selbst an die Türen der Gemeinschaft klopft.“Dilexi te, 75.

    Quellen des kirchlichen Lehramts

    FRANZISKUS, Laudato si’. Enzyklika über die Sorge für das gemeinsame Haus, 24. Mai 2015.

    https://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html

    LEO XIV., Dilexi te. Apostolische Exhortation über die Liebe zu den Armen, 4. Oktober 2025.

    https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/apost_exhortations/documents/20251004-dilexi-te.html

  • Prise de position sur l’Initiative populaire: « Pas de Suisse à 10 millions ! (initiative pour la durabilité »

    Prise de position sur l’Initiative populaire: « Pas de Suisse à 10 millions ! (initiative pour la durabilité »

    « J’étais étranger et vous m’avez accueilli […].
    En vérité je vous le dis, chaque fois que vous l’avez fait à l’un de ces plus petits de mes frères, c’est à moi que vous l’avez fait. »

    (Matthieu 25,35.40, TOB)

    Le 14 juin 2026, le peuple suisse est appelé à se prononcer sur l’initiative populaire « Pas de Suisse à 10 millions ! », qui vise à inscrire dans la Constitution un plafond démographique contraignant qui vise à restreindre significativement l’immigration. Vox Ethica souhaite éclairer ce débat à la lumière de la Doctrine Sociale de l’Église et de la tradition biblique. Ces deux sources se rejoignent sur la question de l’accueil de l’étranger.

    Cette initiative ne propose pas de solutions adaptées et réalistes à des problèmes très divers. Chacun de ces sujets demande des solutions précises et adaptées. Les nombreux défis et mutations de la société actuelle ne peuvent pas être uniquement pensés à travers le prisme de la migration. Ce type de discours propose de fausses solutions et favorise les amalgames entre « étrangers » et « problèmes ».  Ces discours sont dangereux car ils donnent une fausse vision de la réalité. 

    Les préoccupations concernant les infrastructures et le logement et l’aménagement du territoire sont réelles et méritent des réponses sérieuses. Le territoire suisse n’est effectivement pas indéfiniment extensible. Les causes de la pression sur les territoires sont structurelles (répartition des logements, densité des villes, modes de déplacements, de production, urbanisme, consommation, justice économique). Les réduire à un seuil d’immigration, c’est à la fois une erreur d’analyse et un déplacement de responsabilité.

    Vision écologique dans le catholicisme

    L’apport de l’écologie intégrale, au sens de Laudato si‘, vise à prendre en compte aussi bien les aspects humains, qu’environnementaux et économiques. Les défis écologiques auxquels nous sommes confrontés, ne sont pas liés à l’immigration, mais à notre exploitation massive des ressources naturelles.  La démesure envers la création n’est pas une question secondaire et elle mérite d’être prise au sérieux. L’être humain n’est pas simplement propriétaire de la création, mais son gardien. L’Encyclique Laudato si’ nous incite à repenser nos modes de consommation et de relation à la nature, tout en respectant l’humain et particulièrement les plus vulnérables.

    « […] Tout est lié. Il faut donc une préoccupation pour l’environnement unie à un amour sincère envers les êtres humains, et à un engagement constant pour les problèmes de la société. » Laudato si’, 91

    « Accuser l’augmentation de la population et non le consumérisme extrême et sélectif de certains est une façon de ne pas affronter les problèmes. », Laudato si’, 50

    L’accueil de l’autre au cœur de la Révélation biblique

    De la vocation d’Abraham (Gn 12,1) à la fuite en Égypte de la Sainte Famille (Mt 2,13-15), en passant par l’esclavage et l’exode fondateurs d’Israël, l’histoire du salut est structurellement une histoire de migration. Cette mémoire n’est pas anecdotique. Elle fonde un impératif éthique répété avec une insistance sans équivalent dans le Premier Testament : « Lorsqu’un immigré résidera avec vous dans votre pays, vous ne l’exploiterez pas. L’immigré qui réside avec vous sera pour vous comme un compatriote ; tu l’aimeras comme toi-même, car vous avez été immigrés au pays d’Égypte. […] » (Lv 19,33-34). Nous sommes appelés à imiter Dieu et à faire preuve de sagesse par nos actes (Imitatio Dei) : « Il [Dieu] aime l’immigré » (cf. Dt 10,18). Le Nouveau Testament poursuit cette logique par l’identification de l’étranger au Christ : « J’étais étranger et vous m’avez accueilli » (Mt 25,35).

    Le peuple de Dieu est un peuple qui se souvient d’avoir été étranger, et qui tient de cette mémoire son éthique de l’accueil et de l’hospitalité.

    La solidarité, une valeur chrétienne centrale
    La doctrine sociale catholique nous rappelle notre devoir de solidarité, non seulement envers nos proches ou nos familles, mais envers toute personne. En effet le christianisme propose une éthique universelle, où chacun est mon prochain, quelle que soit sa nationalité, son statut, sa culture ou son origine. La solidarité ne s’adresse pas seulement à mes compatriotes, mais à toute personne dans le besoin, avec une attention particulière pour les plus vulnérables et les plus démunis. Refuser ou affaiblir le droit d’asile c’est remettre en question, non seulement l’engagement de la Suisse pour les droits de l’homme, mais c’est aussi porter atteinte au cœur de l’éthique chrétienne. Pour les chrétiens une fraternité universelle unit tous les êtres humains. Les solutions qui cherchent à diminuer notre responsabilité envers les autres ne peuvent pas se fonder sur la pensée chrétienne.

    La remise en question du regroupement familial et la mise en péril du statut de travailleur permanent, fragilisent les familles et empêchent leur intégration. Rappelons-le, la Suisse bénéficie depuis des siècles de l’apport des travailleurs et travailleuses étrangers, qui ont contribué à construire ce pays et son identité multiculturelle. Ces personnes d’origine étrangère apportent beaucoup à la Suisse au niveau économique, social et humain. Et n’oublions pas qu’une grande partie de la communauté catholique de ce pays est issue de l’immigration[i].

    Une politique qui renforce la pauvreté

    Rendre le travail des étrangers encore plus précaire n’est pas une façon de soutenir les travailleurs et travailleuses de ce pays, mais constitue d’abord une atteinte au droit du travail qui se répercute dans toute la société. Les défis actuels de la Suisse (pénurie de logements, augmentation des frais d’assurance maladie, etc.) doivent être combattus par une défense accrue des plus vulnérables et une meilleure justice sociale. Une plus grande solidarité passe par le renforcement des droits humains. Une défense des droits sociaux et économiques de tous et toutes (droit à un logement abordable, à une éducation de qualité, à la formation, à un salaire décent, etc.) est de nos jours de plus en plus nécessaire. La stigmatisation des travailleurs les plus vulnérables que l’on transforme en bouc-émissaires n’apporte aucune solution éthiquement acceptable. Ceci risquerait d’augmenter encore les emplois les plus précaires (travail saisonnier, travail au noir..). Cette initiative pourrait davantage favoriser l’exploitation des travailleurs migrants, empêcher leur pleine intégration et creuser encore les inégalités dans le monde du travail.

    Comment accueillons-nous celui qui vient ?

    L’initiative en raisonnant en termes de flux et de seuils, réduit des existences humaines à de simples chiffres dans une équation démographique. Traiter le nombre d’êtres humains présents sur un territoire comme une menace à contenir instrumentalise ces personnes au lieu de leur reconnaître un visage, une humanité. Les mesures prévues par l’initiative impliquent nécessairement que certains seront renvoyés ou exclus, non pas en vertu d’un examen de leur situation propre, mais uniquement en raison d’un calcul. Réduire des personnes et leurs familles à des chiffres constitue une atteinte évidente à leur humanité.

    «L’Église, comme une mère, marche avec ceux qui marchent. Là où le monde voit des menaces, elle voit des fils; là où l’on construit des murs, elle construit des ponts. Elle sait que son annonce de l’Évangile est crédible seulement lorsqu’elle se traduit en gestes de proximité et d’accueil ; et que dans tout migrant rejeté, le Christ lui-même frappe à la porte de la communauté. », Dilexi Te, 75.

    Florence Quinche, philosophe & Florian Lüthi, théologien, pour Vox ethica


  • „Écouter les invisibles“: Ein Seelsorger im Arbeitsalltag

    „Écouter les invisibles“: Ein Seelsorger im Arbeitsalltag

    Jean-Claude Huot war über zehn Jahre in der Arbeitsseelsorge des Kantons Waadt tätig. In seinem Buch „Écouter les invisibles“ beschreibt er seine Erfahrungen und betont, dass das Zuhören im Mittelpunkt seiner Arbeit stand. Die ökumenische Ausrichtung dieser Arbeitspastoral – also die Zusammenarbeit zwischen katholischen und protestantischen Vertretern – war dabei ein besonderes Merkmal. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Unterstützung von Menschen im Agrarsektor, nachdem eine erhöhte Suizidrate unter Landwirtinnen und Landwirten den Kanton alarmiert hatte.

    Huots Ansatz bestand weniger darin, konkrete Lösungen vorzugeben, als vielmehr Informationen zu vermitteln. Viele der Ratsuchenden waren Migrantinnen und Migranten, die neu in der Schweiz ankamen und sich im Arbeitsmarkt zurechtfinden mussten. Huot half ihnen, Sprachkurse zu finden, Arbeitsmarktstrukturen zu verstehen und rechtliche Fragen zu klären. Sein Ziel war es, den Menschen Autonomie zu ermöglichen, damit sie selbstbestimmt Entscheidungen treffen können. Besonders wichtig war ihm, das Selbstvertrauen der Ratsuchenden zu stärken – etwa indem er sie dabei unterstützte, ihre Kompetenzen in Lebensläufen sichtbar zu machen, auch wenn diese nicht immer formal anerkannt waren.

    Ein zentrales Anliegen Huots war es, die politische Dimension seiner Arbeit zu betonen. Ob in der Kommission Justitia et Pax der Schweizer Bischofskonferenz, bei Fastenaktion oder Public Eye – er erlebte immer wieder, wie politische und wirtschaftliche Entscheidungen das Leben von Menschen prägen. Sein Buch gibt jenen eine Stimme, die oft nur als Kostenfaktoren oder Statistiken wahrgenommen werden. Huot betont, dass die Würde jedes Menschen unveräußerlich ist und dass es wichtig ist, diese Würde unabhängig vom sozialen Status anzuerkennen.

    Besonders beeindruckt war Huot vom Glauben und der Hoffnung der Menschen in prekären Situationen. Viele vertrauten trotz aller Not darauf, dass sie nicht allein gelassen werden. Diese Haltung gab auch ihm selbst Kraft und bestärkte ihn darin, weiterhin für die Schwächsten einzustehen – sei es durch direkte Hilfe oder durch politisches Engagement.

    Für Huot ist die Kirche gefordert, als Advokatin der Gerechtigkeit zu wirken. Sie soll die Stimme derer verstärken, die in der Gesellschaft kaum gehört werden. Sein Fazit lautet, dass sich die Qualität einer Gesellschaft daran misst, wie sie mit den Schwächsten umgeht – ein Gedanke, der nicht nur in der Bibel, sondern auch in der Präambel der Schweizer Bundesverfassung verankert ist.

    Huots Buch ist somit nicht nur eine Berufsbiografie, sondern ein Plädoyer für Menschlichkeit im Arbeitsleben und für den Respekt vor der Würde jedes Einzelnen. Das Buch von Jean-Claude Huot « Écouter les invisibles » ist 2025 im St. Augustin Verlag erschienen.

    10.04.2026 FL

  • Samedi Saint : à quoi bon ?

    Samedi Saint : à quoi bon ?

    Dans l’année liturgique, il existe un jour où tout s’arrête. Aucune célébration. Le tabernacle est vide. Aucune bonne nouvelle. Le silence. Le Samedi Saint est un moment béant entre le Vendredi Saint et la Veillée pascale. Le samedi saint est une rupture dans le temps, l’espace et la parole. Hans Urs von Balthasar écrit à ce sujet : «  Et il existe ce jour où le Fils de Dieu est mort et où Dieu se tait. Oui, c’est pour ce jour que – comme la Tradition nous l’a montré – Dieu s’est fait homme. »

    Le Samedi Saint est le jour du silence de Dieu. Par sa mort sur la croix, Jésus Christ a vécu la mort de l’intérieur. Il a pris sur lui l’extrême de la condition humaine : l’abandon, le silence, la fin. Et c’est précisément là que réside un aveu radical : Dieu n’est pas seulement avec nous quand il fait clair. Il est là aussi – silencieux, attendant, persévérant – dans l’obscurité. Emmanuel – Dieu avec nous – même ici.

    Qu’est-ce que le samedi Saint a à nous dire ?

    Le Samedi Saint nous apprend une posture. Ce que cela signifie se révèle dans la lecture des Écritures. Au moment où la résurrection n’a pas encore eu lieu, personne ne savait ce qui allait advenir. Les apôtres ont fui. Seules quelques femmes sont restées – silencieuses, en deuil, persévérantes. Celui qui se confronte à la perte fait face à l’inacceptable. Regarder cette réalité en face exige beaucoup.

    Le deuil est un ancrage dans le réel, non une faiblesse. Le deuil est une expérience profondément humaine. Dans le fait de porter le deuil, nous témoignons de ce qu’une personne a représenté pour nous – de la place qu’elle occupait dans notre vie. Le deuil ne ment pas. Il montre ce qui était vraiment.

    Nous espérons – sans en être certains. Il est cependant difficile de contempler le Samedi Saint, sans la perspective de la résurrection. Et pourtant, c’est précisément ce point qui appartient à la foi. Croire ne signifie jamais : certitude absolue, mais plutôt : agir, même si l’issue est incertaine. Espérer représente un pari – non aveugle, mais toujours à nouveau confié à la fidélité de Dieu.

    La solidarité plonge, elle ne surplombe pas. Le Samedi Saint est le symbole de la solidarité extrême de Dieu avec les hommes. Cette solidarité ne connaît aucune limite. La descente du Christ dans la mort signifie : personne n’est si perdu que Dieu n’y soit pas. Dieu n’est pas la source de la souffrance – mais il la partage. Par Jésus Christ, Dieu va jusqu’à la mort. Karl Barth écrit : « Tel qu’il [Jésus Christ] est, tel est Dieu. Ainsi il affirme l’homme. Ainsi il prend part à lui. Ainsi il s’engage lui-même pour lui. »

    Le Samedi Saint : la présence malgré tout. Au Samedi Saint succède la Veillée pascale. Les chrétiens vivent dans la confiance que la souffrance et la mort n’ont pas le dernier mot. La résurrection n’ôte pas son poids à la souffrance – mais elle lui ôte le dernier mot. Dans nos vies, nous traversons aussi des deuils, qui comme les moments de Samedi Saint ont toute leur importance. Celui qui les évite ferme les yeux sur le scandale de la souffrance et de la mort.

    Pour aller plus loin: Hans Urs von Balthasar. La théologie des trois jours.

    30.03.2026 FL

  • Karsamstag: wozu eigentlich?

    Karsamstag: wozu eigentlich?

    Im Kirchenjahr gibt es einen Tag. Da steht alles still. Kein Gottesdienst. Die Kirchen sind leer geräumt. Keine Frohbotschaft. Stille. Der Karsamstag ist eine klaffende Lücke zwischen Karfreitag und der Osternacht. Er ist ein Riss in Zeit, Raum und Sprache. Hans-Urs von Balthasar schreibt diesbezüglich: “Und es gibt diesen Tag, da der Sohn Gottes tot und Gott unzulänglich ist. Ja, um diesen Tag willen ist – wie die Tradition uns zeigte- Gott Mensch geworden.”

    Der Karsamstag ist der Tag des Schweigens Gottes. Jesus Christus hat durch seinen Tod am Kreuz das Sterben von innen erlebt – nicht als Zuschauer, sondern als Teilnehmer. Er hat das Äusserste des Menschseins auf sich genommen: die Verlassenheit, die Stille, das Ende. Und genau darin liegt ein radikales Bekenntnis: Gott ist nicht nur bei uns, wenn es hell ist. Er ist auch da – schweigend, wartend, ausharrend – im Dunkel. Emanuel – Gott mit uns – auch hier.

    Was hat uns dieser Tag zu sagen? 

    Der Karsamstag ist eine Haltungsschule. Was das bedeutet, zeigt sich, wenn wir in die Evangelien schauen. Die Auferstehung war noch nicht. Niemand wusste, was kommt. Die Apostel flohen. Einzig ein paar Frauen blieben – schweigend, trauernd, ausharrend. Wer den Verlust aushält, kann der Wirklichkeit ins Gesicht sehen. Das fordert viel.

    Trauer ist Realitätsbezug, keine Schwäche. Trauer ist eine zutiefst menschliche Erfahrung. Im Trauern bezeugen wir, was uns ein Mensch bedeutet hat – welchen Stellenwert er in unserem Leben einnahm. Trauer lügt nicht. Sie zeigt, was wirklich war.

    Wir hoffen – ohne uns sicher zu sein. Den Karsamstag ohne die Perspektive der Auferstehung zu betrachten zeigt, wie schwierig das ist. Und doch gehört genau dieser Punkt zum Glauben. Glauben heisst nie: vollständige Gewissheit. Es heisst: Handeln, obwohl der Ausgang offen ist. Hoffen bedeutet ein Wagnis – nicht blind, aber immer wieder neu anvertraut der Treue Gottes.

    Solidarität taucht ein, sie steht nicht drüber. Der Karsamstag steht sinnbildlich für die äusserste Solidarität Gottes mit den Menschen. Diese Solidarität kennt keine Grenze. Der Abstieg Christi zu den Toten bedeutet: Kein Mensch ist so verloren, dass Gott nicht dort wäre. Gott ist nicht Quelle des Leids – er teilt es. Durch Jesus Christus geht Gott den Weg bis in den Tod. Karl Barth schreibt: « So wie er [Jesus Christus] ist Gott. So bejaht er den Menschen. So nimmt er Anteil an ihm. So setzt er sich selbst für ihn ein. »

    Der Karsamstag: Ausharren als Bekenntnis. Auf den Karsamstag folgt die Osternacht. Christen leben im Vertrauen darauf, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Die Auferstehung nimmt dem Leid nicht sein Gewicht, aber sie nimmt ihm das letzte Wort. Karsamstagsmomente behalten dennoch ihre volle Relevanz. Wenn wir solche Momente überspringen, leugnen wir den Skandal des Leidens und des Todes.

    Litteratur: 

    Hans Urs von Balthasar: Theologie der drei Tage. 

    Karl Barth: Die Menschlichkeit Gottes.

    30.03.2026 FL

  • Versorgt, verdingt, vergessen

    Versorgt, verdingt, vergessen

    Geschichte(n) von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz

    Derzeit ist die Ausstellung bis zum 15. März 2026 im Historischen Museum Lausanne zu sehen. Anschliessend wird sie nach Luzern (Mai bis Oktober 2026), Schaffhausen (Dezember 2026 bis Mai 2027), Bellinzona (Mai bis Oktober 2027) und schliesslich Bern (November 2027 bis Februar 2028) weiterreisen. Sie wurde vom Bundesamt für Justiz im Rahmen des Programms «Erinnern für die Zukunft» in Auftrag gegeben und wird von umfangreichem pädagogischem Material begleitet, angepasst an die drei Sprachregionen (Zeitzeugnisse, didaktische Einheiten für den Staatskunde- und Geschichtsunterricht), erarbeitet u.a. von den Pädagogischen Hochschulen Luzern und Waadt sowie der Scuola Universitaria Professionale della Svizzera italiana.

    Die Ausstellung beleuchtet die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen, von denen im Laufe des 20. Jahrhunderts mehr als 100 000 Menschen in der Schweiz betroffen waren. Es handelt sich um behördliche Eingriffe (Inhaftierung, Internierung, erzwungene ausserfamiliäre Unterbringung), die ohne die Zustimmung der Betroffenen und ohne Beschwerdemöglichkeit durchgeführt wurden. Diese Unterbringungen führten meistens zur Trennung von Familien. Sie stützten sich auf das Strafgesetzbuch von 1912 (Art. 284, 369, 370, 406) sowie auf den Beschluss vom 24.10.1939 (der 1941 Gesetzeskraft erlangte) und dauerten bis in die 1980er-Jahre an. Betroffen waren mehrheitlich Kinder und Jugendliche.

    Die geltend gemachten Gründe waren meist moralischer Natur oder lagen in der Armut begründet (Arbeitslosigkeit, uneheliche Kinder, Krankheit der Eltern usw.). Auch Kinder aus Jenischen-Familien wurden auf diese Weise von ihren Familien getrennt, fremdplatziert oder interniert. Das erklärte Ziel war es, diese Menschen vor ihrem familiären Umfeld oder vor sich selbst zu «schützen», indem man sie ihrer Freiheit beraubte und von ihren Angehörigen trennte. Doch statt zur persönlichen Entwicklung beizutragen, waren diese Unterbringungen häufig mit verschiedenen Formen von Gewalt verbunden: körperliche und psychische Misshandlung, Zwangsarbeit, erzwungene Sterilisierung oder Kastration, nicht eingewilligte Pharmakexperimente, soziale Ausgrenzung u.v.m. Von 1930 bis 1980 betrafen diese Administrativversorgungen 648 Einrichtungen (Gefängnisse, Strafanstalten, Heime) in zahlreichen Kantonen. Die Ausstellung richtet ihren Fokus auf die Kantone Waadt, Bern, Schaffhausen, Luzern und Tessin.

    Diese Geschichte blieb der breiten Öffentlichkeit lange unbekannt. Die Opfer dieser Ungerechtigkeiten schwiegen während vieler Jahre – bis auf einige wenige Personen, die Lebenserinnerungen veröffentlichten. Über das Erlebte zu sprechen war schwierig in einem Umfeld, in dem diese Zustände unbequem waren, liefen sie doch dem Bild einer «modernen» und «liberalen» Schweiz zuwider. So tritt eine ganz andere Geschichte der Institutionen zutage: eine zwanghafte, paternalistische und oft gewalttätige.

    Die Ausstellung stellt die Lebensgeschichten der platzierten Kinder in den Mittelpunkt – durch Audio- und Videozeugnisse, aber auch durch den Zugang zu den Verwaltungsakten dieser Personen. Das persönlich Erlebte und der administrative Blick der Behörden treten dabei in einen Dialog.

    Durch diese Zeugnisse werden die Folgen dieser ungerechten Internierungen greifbar. Die erlittene Gewalt und die damit verbundene Stigmatisierung haben diese Menschen oft ihr ganzes Leben lang geprägt.

    Erst durch eine erfolgreiche Volksinitiative konnten gesetzliche Änderungen angestossen werden, die 2016 in einem Gesetz zur finanziellen Wiedergutmachung für die Opfer mündete. Das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (AFZFG) sieht eine finanzielle Entschädigung von 25 000 CHF für die Opfer sowie einen erleichterten Zugang zu ihren Verwaltungsakten vor. Doch diese Entschädigungen tilgen das erlebte Leid nicht und entbinden weder von der Erinnerungspflicht , noch von der Aufgabe, die Zusammenhänge zu analysieren, die zu diesen Ungerechtigkeiten geführt haben. Hier setzt die wissenschaftliche Forschung an, mit dem Ziel zu verstehen, wie es zu diesen Auswüchsen kommen konnte und wie so viele Menschen und Institutionen daran beteiligt sein konnten. Die historische Forschung zeigt zudem, dass diese Zeugnisse nicht bloß individuelle oder rein subjektive Stimmen sind. Sie ergänzt und kontextualisiert die mündlichen Berichte anhand materieller Quellen (Akten, Verwaltungsdokumente, Bildmaterial usw.).

    Die Auswirkungen dieser Forschungen betreffen sowohl das Schreiben der Schweizer Geschichte als auch die Erinnerungspflicht, damit die Opfer – oder «Überlebenden», wie sich manche der in der Ausstellung porträtierten Zeuginnen und Zeugen selbst nennen – nicht in Vergessenheit geraten.

    F.Q., Trad. F.L 14.03.26

  • Laisser pousser – mais comment ?

    Laisser pousser – mais comment ?

    Questions éthiques sur le génie génétique dans la politique agricole suisse

    Le 27 février, les signatures de l’initiative pour la protection des aliments ont été déposées. Celle-ci exige l’inscription dans la Constitution d’un examen complet des risques liés aux organismes génétiquement modifiés (OGM). Vox Ethica a participé en juillet 2025 à la consultation sur la loi fédérale relative aux plantes issues des nouvelles techniques de sélection.

    Cette nouvelle loi vise à réguler de nouvelles techniques de manipulation du matériel génétique des plantes, notamment celles destinées à l’alimentation humaine. La proposition de loi prévoit la légalisation de manipulations précises du matériel génétique des plantes d’une même espèce ou issues d’espèces proches. Par cette loi, ces techniques seraient autorisées malgré le moratoire sur les OGM dont la prolongation jusqu’en 2030 a été décidée par le parlement.

    Les « nouvelles technologies de sélection » ont beau faire l’impasse sur le terme « génétique », elles n’en manipulent pas moins le génome des plantes. Les promoteurs de ces techniques les présentent comme plus précises et sûres que les techniques de modification génétique actuelles. Ils annoncent encore un rendement plus grand et une réduction d’utilisation de produits phytosanitaires. En outre, ces nouvelles techniques contribueraient à l’adaptation de l’agriculture aux défis du changement climatique.

    En réponse à ce projet de loi, Vox Ethica émet plusieurs réserves. Premièrement, il questionne la faisabilité et met en lumière les nombreux risques liés à deux filières de production et de distribution parallèles. Deuxièmement, il met en cause l’appellation « nouvelles technologies de sélection ». En effet, en introduisant cette appellation, la loi crée une nouvelle terminologie qui vise à contourner le moratoire sur les OGM. Notre service estime que cette différenciation est indue et qu’elle soulève des questions d’ordre démocratique.

    Finalement, le vrai enjeu et la ligne rouge à ne pas franchir relèvent de l’irréversibilité des manipulations génétiques, aussi ciblées et évolutives soient-elles. Les modifications génétiques étant transmises à la descendance, il devient difficile de justifier l’implantation d’une technique, prometteuse mais incertaine, avec tous les risques non encore maîtrisés qu’elle comporte, au sein d’une temporalité riche de plusieurs milliards d’années d’évolution.

    Dans son Encyclique Laudato si’ promulguée en 2015, le pape François constate une exploitation massive de la terre et de ses ressources. Il insiste sur l’humilité, la responsabilité et le respect de la création incombant aux chrétiens. Pour affronter ces défis, François propose une approche d’écologie intégrale allant au-delà des solutions purement technologiques. Cette démarche suppose un développement qui prend en compte tous les aspects du développement humain et non seulement les aspects économiques. Dans cette même perspective d’écologie intégrale, Vox Ethica préconise le respect du moratoire actuel et soutient une vision de l’agriculture plus respectueuse de la réalité du contexte suisse, à échelle humaine et garante d’une durabilité sociale et environnementale au service du bien commun et de l’ensemble du vivant.

    FL/FQ

  • Wachsen lassen – aber wie?

    Wachsen lassen – aber wie?

    Ethische Fragen zur Gentechnik in der Schweizer Agrarpolitik

    Am 27. Februar wurden die Unterschriften zur Lebensmittelschutzinitiative eingereicht. Diese Fordert eine umfassende Risikoprüfung für gentechnisch modifizierte Organismen (GMO) in der Verfassung. Vox Ethica hat im Juli 2025 an der Vernehmlassung zum Bundesgesetz über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien teilgenommen. 

    Dieses neue Gesetz soll neue Techniken zur Manipulation des genetischen Materials von Pflanzen regulieren. Unter die neue Gesetzgebung fallen auch Pflanzen, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Der Gesetzesentwurf sieht die Legalisierung von zwei Verfahren der genetischen Veränderung (gezielte Cisgenese und Mutagenese) vor. In beiden Fällen handelt es sich um präzise Manipulationen des genetischen Materials von Pflanzen derselben Art oder von verwandten Arten. Mit diesem Gesetz würden diese Techniken, trotz des vom Parlament bis 2030 verlängerten Moratoriums für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, zugelassen.  

    Die „neuen Züchtungstechniken“ mögen zwar den Begriff „Gentechnik“ vermeiden, aber sie manipulieren dennoch das Genom von Pflanzen. Die Befürworter dieser Techniken präsentieren sie als präziser und sicherer als die derzeitigen Techniken der genetischen Veräderung. Sie versprechen zudem höhere Erträge und einen geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Darüber hinaus sollen diese Techniken einen Beitrag zur Anpassung der  Landwirtschaft an die Herausforderungen des Klimawandels leisten. Das neue Gesetz sieht eine Reihe von Zulassungs-, Selbstkontroll- und Sanktionsmassnahmen im Zusammenhang mit der Einführung dieser neuen Züchtungstechniken vor. Es sollen zwei getrennte Produktions- und Vertriebskanäle betrieben werden. Auf diese Weise hätten die Verbraucher und Produzenten die Wahl zwischen gentechnisch veränderten und nicht veränderten Produkten. 

    Vox Ethica hat zu diesem Gesetzentwurf mehrere Vorbehalte geäussert. Ersten stellt sie die Durchführbarkeit infrage und weist auf die zahlreichen Risiken hin, die mit zwei parallelen Produktions- und Vertriebskanälen verbunden sind. Zweitens stellt sich die Dienststelle gegen die Bezeichnung „neue Züchtungstechnologien”. Mit der Einführung dieser Bezeichnung schafft das Gesetz eine neue Terminologie, die darauf abzielt, das Moratorium für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu umgehen. Vox Ethica ist der Ansicht, dass diese Unterscheidung unzulässig ist und auch demokratische Fragen aufwirft. 

    Letztendlich liegen die eigentliche Herausforderung sowie die rote Linie, die nicht überschritten werden darf, in der Unumkehrbarkeit der genetischen Manipulationen, so zielgerichtet und entwicklungsfähig sie auch sein mögen. Da genetische Veränderungen an die Nachkommen weitergegeben werden, ist es schwierig, die Einführung einer jungen, vielversprechenden, aber unsicheren Technik mit all den noch nicht beherrschten Risiken, die sie mit sich bringt, in einem Zeitrahmen von mehreren Milliarden Jahren Evolution zu rechtfertigen.  

    In seiner 2015 veröffentlichten Enzyklika Laudato si’ stellt Papst Franziskus eine massive Ausbeutung der Erde und ihrer Ressourcen fest. Er betont die Demut, Verantwortung und Wahrung der Schöpfung, die den Christen obliegt. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, schlägt Franziskus eine ganzheitliche Ökologie vor, die über rein technologische Lösungen hinausgeht. Dieser Ansatz setzt eine Entwicklung voraus, die alle Aspekte der menschlichen Entwicklung berücksichtigt und nicht nur die wirtschaftlichen. Aus dieser Perspektive lehnt Vox Ethika den Entwurf des neuen Gesetzes ab. Die Dienststelle befürwortet die Einhaltung des derzeitigen Moratoriums und unterstützt eine Vision der Landwirtschaft, die den schweizerischen Verhältnissen besser gerecht wird. Dabei handelt es sich um eine Landwirtschaft auf menschlicher Ebene mit kleinen bis mittelgrossen Betrieben, die ihre soziale und ökologische Verantwortung in den Dienst des Gemeinwohls und aller Lebewesen stellt. 

    FL / FQ

  • Pour un ordre mondial fondé sur la dignité et les droits humains

    Pour un ordre mondial fondé sur la dignité et les droits humains

    Lors de l’ouverture de la session du Conseil des droits de l’homme des Nations unies, le secrétaire général de l’ONU, António Guterres, a tenu des propos clairs : « Partout dans le monde, les droits humains font l’objet d’une attaque frontale. Cette attaque ne vient ni de l’ombre ni par surprise. Non, la lutte est menée au vu et au su de tous, et ce par ceux qui sont au pouvoir. ». Les nations Unies ont joué un rôle historique dans la promotion des droits

    Le Haut-Commissaire des Nations unies aux droits de l’homme, Volker Türk, et la présidente de l’Assemblée générale des Nations unies, Annalena Baerbock, ont tous deux tiré la même conclusion accablante dans leurs discours. Sans les nommer, ils ont déclaré que certains dirigeants se considéraient au-dessus des lois, remettant ainsi en question des principes fondamentaux qui semblaient longtemps acquis.

    Quotidiennement, les droits humains, même les plus fondamentaux, sont mis à mal, notamment par des atteintes envers la liberté d’expression et d’opinion, de nouvelles formes d’esclavage et de travail forcé, ou des traitements cruels et inhumains.

    Que faire face à cette évolution inquiétante ? Volker Türk souhaite mettre en place une alliance mondiale d’acteurs étatiques et de la société civile qui s’opposent à cette évolution et défendent les droits humains.

    Quel peut-être le rôle spécifique des Eglises dans cette situation ? De nombreuses Églises chrétiennes, mais aussi d’autres religions et croyant.e.s du monde entier s’engagent en faveur des droits humains et civils, ainsi que pour une vie digne pour tous et toutes. Cet engagement se traduit par des prises de position publiques ainsi que par des aides concrètes (juridiques, sociales, économiques) aux personnes vulnérables. Les aspects éducatifs ne sont pas à négliger, nombre d’organismes religieux proposent des services éducatifs visant à favoriser l’inclusion des plus précaires, par la formation professionnelle ou visant l’exercice de la citoyenneté. Eléments qui contribuent à une implémentation concrète des droits, à l’empowerment des personnes et des collectivités. En effet, au cœur du message Evangélique, cette exigence à venir en aide aux personnes dans le besoin, car chaque être humain est pensé à l’image de Dieu. Quelle que soit son origine, son milieu social il est pensé comme porteur d’une dignité inaliénable.

    En 1963, dans l’encyclique « Pacem in Terris » , Jean XXIII, s’engageait déjà au nom de l’Église catholique, en faveur des droits humains et d’un ordre mondial multilatéral fondé sur le droit, tel que promu par l’ONU. Le Concile Vatican II et les papes suivants ont confirmé cette voie, tout comme Léon XIV dans son Discours aux corps diplomatique accrédité auprès du Saint-Siège du 9 janvier 2026 :

    « (…) les Nations Unies ont joué un rôle médiateur dans les conflits, encouragé le développement et aidé les États à protéger les droits humains et les libertés fondamentales. Dans un monde confronté à des défis complexes tels que les tensions géopolitiques, les inégalités et les crises climatiques, l’organisation devrait jouer un rôle fondamental pour favoriser le dialogue et l’aide humanitaire, contribuant ainsi à construire un avenir plus juste. »

    Or la Suisse, en matière de protection des individus et de libertés fondamentales a encore des progrès à faire, par exemple rappelons qu’elle n’a pas signé la Convention internationale sur la protection des droits des travailleurs migrants et membres de leurs familles (1990). Convention qui vise précisément à les protéger de l’exploitation et des violations des droits de l’homme.

    L’Institut suisse des droits humains (ISDH, https://www.isdh.ch/fr, https://www.isdh.ch/de ), situé à Fribourg, s’engage depuis 2023 sur le plan national pour la protection et la promotion des droits fondamentaux. Indépendant des pouvoirs publics, il contribue notamment à des rapports sur la situation et l’évolution des droits humains en Suisse. Toute personne ou institution travaillant dans ce domaine peut demander à en devenir membre.

    FL / FQ 26.2.2026