Das Schweizer Asylsystem: eine Spurensuche l Folge 2: Präsent sein, zuhören, Brücken bauen.

Nach dem Blick auf das Verfahren in Folge 1 wechselt die Perspektive: zu den Menschen, die das Asylverfahren durchlaufen, und zu jenen, die sie dabei begleiten. Florian Lüthi spricht mit Irene Neubauer, Theologin, Religionswissenschaftlerin und Anthropologin. Seit 2018 ist sie in der Asylseelsorge im Raum Bern tätig, zuletzt im Asylzentrum Kappelen bei Lyss; heute ist sie pensioniert und arbeitet in Stellvertretung weiter.

Sie erzählt, wie Seelsorge ohne eigenen Raum funktioniert, warum das Seelsorgeteam nie nach Fluchtgründen fragt und was die kirchliche Trägerschaft an Vertrauen und Unabhängigkeit ermöglicht. Es geht um Dublin-Entscheide und kurze Beschwerdefristen, um eine auf der Flucht getrennte Familie, um Ausschaffungen und um die Ohnmacht, die man gemeinsam aushalten muss. Zur Sprache kommen auch das Zusammenleben vieler Kulturen und Religionen auf engem Raum, die Verflechtung der Schweiz mit den Ursachen von Flucht und konkrete Wünsche: mehr Begegnung statt Abschottung, bezahlbare Mobilität.

Hinweis: Das Gespräch wurde im Juni 2026 aufgezeichnet, vor der Volksabstimmung vom 14. Juni 2026 über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!».

Ausha

Kapitel

00:00 Intro

01:54 Ein Leben mit Migration: Herkunft und Weg in die Asylseelsorge

06:49 Was sich verändert hat

09:17 Ein Arbeitstag im Bundesasylzentrum – und die Haltung dahinter

13:31 Was die Menschen beschäftigt

16:31 Wie Seelsorge wahrgenommen wird

18:25 Trauma: Möglichkeiten und Grenzen der Seelsorge

22:30 Eine auf der Flucht getrennte Familie

25:21 Negative Entscheide und Ausschaffungen

29:07 Menschlichkeit

32:03 Zusammenleben vieler Kulturen auf engem Raum

36:38 Zusammenarbeit und Unabhängigkeit

39:07 Unterstützung und Grenzen im institutionellen Rahmen

40:43 Zeugin, Anwältin, Begleiterin

43:08 Die Rolle der Kirchen

45:50 Politischer Kontext und Wünsche

50:36 Konkrete Verbesserungen

52:23 Was Kraft gibt

53:58 Outro