Am 23. Juni 2026 versammelte Vox Ethica Engagierte aus allen Sprachregionen und Bistümern der Schweiz zu einer ersten nationalen Tagung zum Thema Integrale Ökologie in Freiburg. Ziel war es, kirchlich Engagierte im Bereich der integralen Ökologie über Sprach- und Bistumsgrenzen hinweg zu vernetzen und ihnen Raum zu geben, sich zu begegnen sowie ihre Projekte und Anliegen zu teilen.
Eröffnung
Josef Stübi, Weihbischof von Basel, eröffnete den Tag mit einem persönlichen Zeugnis aus seiner Kindheit, in der das bäuerliche Leben noch stark von Religiosität und Naturverbundenheit geprägt war. Er erinnerte daran, dass das Verstehen der Natur als Schöpfung – als heiliges Geschenk – unsere Beziehung zu ihr von Grund auf verändert und uns zu tiefem Respekt vor der Schöpfung verpflichtet.
Transformativer Wandel
Dorothea Hug Peter, Biologin im Bereich transformativer Wandel und Erhaltung der Biodiversität (biodiversitaet.scnat.ch), führte in die zentralen Elemente des transformativen Wandels ein. In einem praxisorientierten Format arbeiteten die Teilnehmenden mit einem eigens entwickelten Kartenset daran, wie ökologische Dimensionen ganzheitlich in lokale kirchliche Projekte integriert werden können.
Spiritualität und Schöpfungstheologie
Der Theologe Michel Maxime Egger (trilogies.org) beleuchtete die spirituellen Dimensionen unserer Beziehung zur Schöpfung, ausgehend von Laudato si’ und der orthodoxen Theologie. Er betonte, dass der Schutz der Schöpfung kein Randthema christlicher Existenz ist, sondern ein zentrales Anliegen. Nachhaltiger Wandel erfordert eine innere Umkehr – getragen von echter Liebe zur Schöpfung und nicht bloss von Pflichtgefühl oder äusserem Konformismus. Im Anschluss an Patriarch Bartholomäus I. rief er zur individuellen und kollektiven Metanoia und zur Erneuerung unserer Denkparadigmen auf.
Projektpräsentationen
Ökumenisches Netzwerk Ecoéglise (Westschweiz)
Lara Florine Schmid präsentierte das ökumenische Netzwerk Ecoéglise (ecoeglise.ch). Das Netzwerk umfasst Pfarreien und Glaubensgemeinschaften aus der ganzen Romandie und bietet Austausch, Ökodiagnose-Tools, Reflexionsmaterial sowie einen gemeinsamen Kalender mit Online-Ressourcen. Der jährliche Netzwerktag findet am 3. Oktober 2026 in Lausanne statt.
Bischofsrat für Ökologie, Diözese Lausanne-Genf-Freiburg-Neuenburg
Roberto de Col stellte die Schwerpunkte des Bischofsrat Ökologie des Bistum LGF vor (diocese-lgf.ch). Die sieben Handlungsfelder – Gottesdienst und Bildung, Infrastruktur, solidarisches und ethisches Engagement, Konsum (inkl. Mobilität), Finanzen und Biodiversität – decken die verschiedenen Beziehungsdimensionen ab: zu Gott, zu sich selbst, zu anderen und zum Lebendigen.
Kantonaler Rat der katholischen Kirche Waadt
Lucia Castro Navia stellte das Projekt des Kantonalen Rats der katholischen Kirche im Kanton Waadt vor (cath-vd.ch). Im Geist der Synodalität soll gemeinsam reflektiert werden, wie die Prinzipien der integralen Ökologie in den Pfarreien des Kantons verankert werden können. 2026 finden vier Treffen mit je über 30 eingeladenen Laien, Ordensleuten und Freiwilligen statt. Präsentiert wurde auch die Bewegung Détox la terre (detoxlaterre.ch), die einen wachstumskritischen Konsum fördern möchte.
Oeku Kirche und Umwelt
Olivier Ottet präsentierte die Projekte und das umfangreiche Material von oeku, Kirche und Umwelt (oeku.ch). Das Netzwerk feiert dieses Jahr sein 40-jähriges Jubiläum. Vorgestellt wurden auch die verschiedenen Zertifizierungen, darunter der Grüne Güggel.
Laudato si’-Garten, Diözese Lugano
Corinne Zaugg von der Unione femminile cattolica ticinese berichtete über die Entstehungsgeschichte des Laudato si’-gartens im Kreuzgang von San Giuseppe in der Diözese Lugano (ufct.ch). Sie schilderte die gemeinschaftsbildenden Aktivitäten rund um den Garten, der am 6. September 2026 eingeweiht wird.
Nachhaltigkeitsmodell der Kirche im Kanton Zürich
Markus Staudinger, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Katholischen Kirche im Kanton Zürich (zhkath.ch), stellte das Zürcher Modell vor, das in drei Schritten strukturiert ist: Nachhaltigkeitsverankerung im grossen Massstab (partizipative Strategie 2021 und Strategische Ziel der Synode), konkrete Umsetzung in sieben Handlungsfeldern (Biodiversität, Ökospiritualität, Energie, Abfall, Konsum, Finanzen, Mobilität sowie drei Querschnittsbereiche: Kommunikation, Engagement, Kooperation). Als Erfolgsbedingungen von Wandel nannte er das zentrale Prinzip: Beziehung vor Fachberatung. Bis 2027 soll jede Pfarrei besucht werden. Greifbares Ergebnis: −36,6 % CO₂-Emissionen seit 2019.
Schöpfungszeit, Kanton Freiburg
Adrian Craciun vom Bildungsdienst der katholischen Kirche im Kanton Freiburg (cath-fr.ch) präsentierte die vielfältigen Aktivitäten rund um die Schöpfungszeit in den Pfarreien sowie ein Projekt für ein Liturgisches Begleitheft zum Thema Schöpfung, das die Integration dieses Themas in Gottesdienste erleichtern soll.
Ausblick und Nächste Schritte
Die Tagung brachte 26 Engagierte aus allen Regionen und Bistümern der Schweiz zusammen. Zum Abschluss wurden Wünsche und Ideen zur Weiterentwicklung des Netzwerks gesammelt:
- Das Prinzip eines jährlichen Präsenztags wird beibehalten.
- Der Vernetzungstag 2027 könnte Besuche von Pfarreien oder Gemeinschaften umfassen, die sich für den ökologischen Wandel engagieren.
- Eine stärkere ökumenische Öffnung des Netzwerks wird angestrebt.
- Zukünftige Tagungen sollen stärker auf die laufenden Projekte der Teilnehmenden ausgerichtet sein.
- Ein spiritueller Akzent könnte eingebaut werden, allenfalls in Verbindung mit dem nationalen Schöpfungsfest (4. Oktober 2026).
- Ergänzende Online-Formate (z. B. Zoom) können erwogen werden, um auch jene einzubeziehen, die nicht am ersten Tahung teilnehmen konnten, und um die Tagung 2027 vorzubereiten.
- Der Austausch von Dokumenten und Veranstaltungshinweisen zwischen den Mitgliedern wird über ein gemeinsames Padlet weitergeführt.
Interessierte am Netzwerk können sich gerne melden: info@voxethica.ch

